Ostern 2021: Rückblick – Ein Aufbau-Krimi mit Happy End

erschienen im Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf 05/2021

Wenn wilde Piraten den Park bevölkern, Schneewittchen gemeinsam mit den sieben Zwergen dem Ort einen Besuch abstattet und Kinder aufgeregt rufen: „Mami, Mami komm schnell, der Osterhase ist da!“, dann ist die wunderbare Osterzeit angebrochen. Und in Langenwetzendorf steht seit vielen Jahren der buntgeschmückte Osterbrunnen im Mittelpunkt.

 

Es brauchte gute Nerven: Corona hier, Corona da …

Bis dieses Jahr der Osterbrunnen allerdings stehen konnte, war es eine Achterbahnfahrt der Gefühle – mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen. Sie begann bereits Anfang des Jahres mit sehr hohen Infektionszahlen. Gebannt schaute das Osterbrunnen-Team beinahe täglich auf die Meldungen des Robert-Koch-Instituts. Wäre im Frühjahr bei einer hohen Inzidenz ein Osterbrunnen überhaupt möglich? Als Mitte Januar die Zahlen anfingen, zu sinken, atmeten alle zunächst erleichtert auf und schmiedeten fleißig Pläne. Doch dann drehte sich im Februar erneut das Blatt, als sich die Corona-Mutationen ausbreiteten. Eigentlich stand Ende Februar schweren Herzens der Entschluss fest: So schön ein bunter Osterbrunnen in dieser schweren Zeit auch sein mag, es wäre besser, noch einmal vernünftig zu sein: Ein kleiner Gruß wie im letzten Jahr muss reichen, um bloß keine Menschenmassen anzuziehen.

Kurz bevor wir auf Facebook die traurige Nachricht verkünden wollten, checkten wir noch schnell die E-Mails. Was wir da im Posteingang lasen, verschlug uns zunächst die Sprache. Der MDR hatte sich gemeldet und wollte vom 19. bis 21. März im Ort für die Reihe „Unser Dorf hat Wochenende“ drehen. Die Sendung sollte am Ostersonntag ausgestrahlt werden. Da darf natürlich der Osterbrunnen nicht fehlen. Also kam es zur Planänderung und das Osterbrunnen-Team wechselte von Null auf Hundert vom „Winterschlafmodus“ in den „Aufbau-Countdown“. Die Hasen wurden hervorgeholt, die Kisten zusammengesucht und skizziert, wie ein Corona-konformer Osterbrunnen überhaupt aussehen könnte. Am Dienstag, den 9. März, trafen wir uns mit dem MDR-Team gemeinsam mit der Gemeinde und weiteren Akteuren in der Begegnungsstätte zur Vorbesprechung. Am Ende des Treffens existierte ein handfester Plan, welche Themen und Projekte gedreht und vorgestellten werden können. Für den Osterbrunnen sollte beispielsweise die Streubeschaffung im Wald, das Binden, das Aufstecken, der Transport und natürlich das Aufbauen im Park mit der Kamera begleitet werden. Doch die Corona-Zahl stiegen im Landkreis Greiz unübersehbar. Zu diesem Zeitpunkt hofften allerdings noch alle Beteiligten darauf, dass alles gut geht und keines der Teams in Quarantäne muss. Jedoch folgte die Lektion: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

 

Corona verhindert Dreharbeiten

Am Montag, den 15. März, und damit vier Tage vor Drehstart, erhielten wir einen Anruf aus Erfurt. Die verantwortliche MDR-Mitarbeiterin bedauerte es sehr, die Dreharbeiten absagen zu müssen. Die MDR-Leitung hatte den Dreh im Corona-Hotspot untersagt, um Mitarbeiter und Protagonisten zu schützen. Dafür erhielten wir die Zusage, dass uns der MDR garantiert nicht vergessen wird, denn NACH Ostern ist bekanntlich VOR Ostern. Und die Sendereihe wird fortgesetzt, sobald es die Pandemielage zulässt. Deswegen gehen wir davon aus, dass aufgeschoben eben nicht aufgehoben ist.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Vorbereitungen bereits fast alle abgeschlossen: Das Grünzeug besorgt, ein großer Teil des Osterbrunnens gebunden und beinahe alle Transparentpapier-Ostereier vom Malaufruf an die Kinder einlaminiert und angebändelt. Das konnte jetzt doch nicht alles für die Katz‘ gewesen sein! Also war es Zeit für eine erneute Planänderung: Es wird vielleicht nicht das komplette Osterbrunnen-Ensemble aufgebaut, aber der Großteil schon. Dass auch dieser Plan erneut nur eine sehr kurze Halbwertszeit haben würde, war uns da noch nicht bewusst.

 

Rettungsanker Schmalspurvariante

Bereits am Mittwoch-Abend gab es eine erneute Wendung, wieder einmal erzwungen durch das Corona-Virus: Ab Donnerstag sollte für den Landkreis Greiz eine Ausgangsbeschränkung gelten. Die Verunsicherung war groß und es gab viele Diskussionen und Telefonate. Nach dem ersten Schreck setze sich in den Folgetagen die Erkenntnis durch: Die Leute müssen ja trotz allem raus an die frische Luft und dann tut ein wenig Farbe einfach der Seele gut. Wir bauen als Schmalspurvariante soweit auf, damit es gut aussieht. Dabei ziehen wir alles möglichst weit auseinander und nutzen das gesamte Parkgelände. Dann ließen sich auch die Abstände einhalten und das Ansteckungsrisiko minimieren.

Also starteten die Aufbauarbeiten: Die Osterhasenschule wechselte in den Distanz-Unterricht – natürlich mit der Möglichkeit der Videokonferenz. Nur ein Schüler musste in die Notbetreuung. Die freigewordenen Hasen konnten nun im Park chillen oder ein Wettrennen mit den Trittrollern und Dreirädern veranstalten. Auch der Kellner durfte leider keine Gäste an seiner Kaffeetafel begrüßen. Dafür legte er natürlich eine Ostermenü-Karte zum Bestellen und Abholen aus. Letztlich ergab das Eine irgendwie das Andere und am Ende fügten sich alle Puzzleteile zusammen. Das Ergebnis überraschte uns selbst ein wenig: Wir hatten plötzlich nicht nur einen Osterbrunnen mit Hasenschar. Nein, wir hatten etwas viel, viel Besseres! Wir hatten einen Osterpark mit einer wundervollen Ostereier-Bildergalerie und einer kompletten Osterspaziergangsrunde um den Parkteich. Und irgendwie war es, als wäre es schon immer so und nie anders gewesen. Dass dabei im Park die Zillas und Osterglocken schon blühten oder bei Käßners süße, kleine Lämmchen zur Welt kamen, war ein tolles Timing und rundete den Osterpark perfekt ab.

 

Der Corona-Park war ein Geheimtipp

Wir haben für den Langenwetzendorfer Corona-Osterbrunnen bewusst keine „Werbetrommel“ gerührt. Im Gegenteil! Im Internet wurde sogar eine Reisewarnung veröffentlicht, um die Besucherzahl in Grenzen zu halten. Das hat insofern gut geklappt, dass tatsächlich viele auswärtige Besucher versuchten, klassische Stoßzeiten zu vermeiden. Doch die Mund-zu-Mund-Propaganda funktionierte dennoch und so waren wir wohl in Zwickau, Apolda und im Vogtland mal wieder ein Geheimtipp.

Auf unseren Kontrollrunden war das Osterbrunnen-Team außer bei Sturm jedenfalls nie alleine. Etwas Betrieb gab es immer. Am Ostersonntag war aufgrund des bombastischen Wetters durchaus auch ein reger Osterbrunnenbetrieb zu verzeichnen. Da sich alle Besucher an die Regeln hielten und das weitläufige Gelände nutzten, kam es niemals zu mulmigen Situationen. Die Besucher fühlten sich mit Abstand sicher und freuten sich über die schöne Zeit im Park.

Wir haben extrem viel positives Feedback bekommen und auch so manches gelernt: Beispielsweise dass die Aufhängung der Transparentpapier-Ostereier durchaus noch verbesserungswürdig ist, sodass sie Sturm besser standhalten kann. Und uns wurde auch wieder einmal sehr deutlich klar, warum wir das seit beinahe 20 Jahren machen. Es geht nicht darum, eine kommerzielle Vermarktung zu organisieren. Nein, es geht vielmehr darum, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Und vor allem sind es die Kinder, die mit strahlenden Augen durch den Park flitzen und wissen, dass nun Ostern ist und es den Osterhasen vielleicht tatsächlich gibt! In dieser Hinsicht denken wir, dass der Osterhase unter den besonderen Voraussetzungen seine Mission auch 2021 wieder erfüllt hat. Ein kleiner Junge sagte beim Abbau: „Osterhase, ich werde dich nie vergessen!“

 

Wie geht es weiter?

Die Besucher trugen natürlich auch so manche Idee an uns heran, was unbedingt noch fehlt: Der Osterhase könnte mit dem Boot zur Insel fahren. Die Osterhasenfeuerwehr würde eine Übung machen. Oder ein Traktor mit einem Anhänger voller Ostereier fährt vor. … Es arbeitet tatsächlich in uns. Ideenmangel war noch nie ein Problem. Doch bei der Umsetzung gibt es mittlerweile zwei echte „Handicaps“:

  1. Das Langenwetzendorfer Osterbrunnen-Team schrumpfte in den letzten Jahren, weil Mitstreiter aus Altersgründen nicht mehr so können, wie sie gerne möchten. Die erforderlichen Arbeiten verteilen sich deswegen spürbar auf deutlich weniger Schultern. Eine „Verjüngungskur“ wäre schön – auch um die Zukunft des Osterbrunnens fürs nächste Jahrzehnt abzusichern.
  2. Wir haben mittlerweile echte Platzprobleme. Obwohl alle derzeit verfügbaren räumlichen Ressourcen akquiriert und optimiert sind, passt nicht eine Kiste oder ein neuer, kleiner Baby-Hase mehr ins Osterlager. Neue Ideen können daher tatsächlich nur noch mit ausgelagerten Pflege- und Beherbergungsverträgen umgesetzt werden.

Wenn diese blöde Corona-Pandemie endlich vorbei ist, würde das Langenwetzendorfer Osterbrunnen-Team sehr gerne aufs Jahresende hin in der Begegnungsstätte zu einem Treffen einladen. Herzlich willkommen sind alle, die Interesse am neuen Hobby „Osterbrunnen“ haben. Weiterhin möchten wir einen kleinen Ideenwettbewerb starten, wie wir nächstes Jahr unser 20-jähriges Osterbrunnenjubiläum gebührend begehen können.

 

Mit diesem Ausblick auf 2022 verabschiedet sich das Langenwetzendorfer Osterbrunnen-Team zunächst in die Sommerpause.

Es lebe der alte Osterhasengruß: Haltet die Ohren steif und bleibt gesund!

Euer Osterbrunnen-Team

 

Und hier nochmal die Collage in groß! ;o)