Das Eieraufwerfen bzw. Ostereier-Aufwerfen

ostereiernetz-eiernetzDas Ostereieraufwerfen ist ein beliebter Osterbrauch – nicht nur in Ostthüringen, sondern fast überall in Deutschland.

Benötigt werden eigentlich nur drei Dinge:

  • Ein hartgekochtes Osterei: Egal ob puristisch braun oder weiß, bunt gefärbt oder liebevoll bemalt.
  • Ein Eiernetz: Möglichst aus dicker Wolle gehäkelt.
  • Eine Wiese: Sie sollte frei von Hochspannungsleitungen oder großen Bäumen sein, weil sich darin die Eiernetze verfangen können.

 

Die Spielregeln für das Ostereieraufwerfen sind denkbar einfach

Das hartgekochte Osterei kommt ins Eiernetz. Danach macht man sich mit einer Schar Eieraufwerfer auf in Richtung Wiese. Den Ausflug kann man unter Umständen auch gleich als Osterspaziergang verbuchen. Auf der Wiese angekommen, treten die Kontrahenten gegeneinander an. Jeder wirft sein Ei samt Netz so hoch und/oder so weit er kann. Alle Eieraufwerfer, deren Osterei heil geblieben ist, sind eine Runde weiter. Alle Eieraufwerfer, deren Osterei kaputt gegangen ist, scheiden aus. Am Ende bleibt der Meister im Eierwurf übrig. Eine Riesengaudi für Jung und Alt.

Vorteil dieser Spielregeln: Auch kleine Teilnehmer haben eine reelle Gewinnchance, denn würde man lediglich auf die Distanz spielen (Stichwort: Je weiter desto besser), hätten sie keine Chance und wären schnell enttäuscht.

 

Abwandlungen des Eieraufwerfens

In einigen Regionen Deutschlands werfen beim Eieraufwerfen auch Teams gebildet. Es gilt dann pro Team mit so wenigen Würfen wie möglich eine bestimmte Distanz zu überbrücken. Das Ganze erinnert dann ein wenig an Boßeln oder Crossgolf. Gewonnen hat das Team, dessen Osterei am ehesten am Zielpunkt ankommt.

Auch eine Variante ist, dass die Ostereier über das Hausdach geworfen werden. Dazu werden sogar geweihte Eier verwendet. Dort, wo das Ei aufgekommen ist, muss es vergraben werden. Dem alten Volksglauben nach sollen so Blitze abgewehrt werden. Früher führten Blitzeinschläge sehr häufig zu Bränden und damit zum Verlust des gesamten Eigentums.

 

Tipps und Tricks für das Eieraufwerfen

Die wahren Meister beim Ostereieraufwerfen haben natürlich ein paar Tricks auf Lager. Normalerweise werden diese Tricks nicht verraten, doch wir machen hier eine klitzekleine Ausnahme und geben ein paar Tipps.

Tipp Nr. 1 zum Ostereier-Aufwerfen: Sucht Euch nach Möglichkeit eine weiche Wiese, d. h. das Gras sollte so hoch wie möglich stehen. Meist werden Wiesen vor Wäldern im Herbst nicht nochmal gemäht, weil sie womöglich bereits zu feucht sind. Euer Glück. Auch Wiesen mit einem relativ hohen Moosanteil federn den Sturz der Eier besser ab. Aber das bringt Euch noch nicht den entscheidenden Vorteil gegenüber Euren Mitstreitern.

Tipp Nr. 2 zum Ostereier-Aufwerfen: Das richtige Eiernetz ist wichtig. Entweder Ihr versucht Euch selbst daran, das Netz zu häkeln oder Ihr bittet Oma bzw. Mutti, Euch eins zu machen. Besteht hier auf möglichst dicke Wolle, denn je dicker die Wolle, desto besser dämpft sie den Sturz. Wenn Ihr also bei den Wollresten die Qual der Wahl habt, entscheidet Euch für die dickere Wolle. Ganz dünne Wolle (und sei sie noch so schön bunt) ist eher unvorteilhaft.

Tipp Nr. 3 zum Ostereier-Aufwerfen: Warum haben früher meist die Bauernkinder beim Eieraufwerfen gewonnen? Ganz einfach: Sie konnten die Qualität des Eies bestimmen. Wer ehrgeizig ist, kennt das Huhn, das das Osterei legt, persönlich. Geht es dem Huhn gut, legt es Eier mit einer stabilen Schale. Eine Extraportion Kalk in der heißen Legephase kurz vor Ostern hat noch nie geschadet. Wer also Ambitionen auf den Meistertitel hat, der sollte sich entweder zwei oder drei eigene Hühner halten oder zumindest die Eier für die Ostereier direkt vom Bauern holen. Supermarkt-Eier haben oftmals eine sehr dünne Schale, die beim Ostereieraufwerfen schneller kaputt gehen kann.

 

Verwendung der kaputten Ostereier nach dem Eieraufwerfen

Etliche der kaputten Eier schaffen es nicht wieder bis nach Hause. Sie werden unterwegs als Wegzehrung verspeist. Doch viele Eieraufwerfer-Coaches haben pro Schützling drei bis fünf „Ersatzeier“ in der Hosentasche und irgendwann ist auch der größte Ostereierappetit gestillt.

So kommen meist doch ein paar kaputte Ostereier nach dem Eieraufwerfen mit zurück in die heimische Küche. Sie sollten binnen der nächsten 12 bis 24 h „verarbeitet“, d. h. verzehrt werden. Prima geeignet sind sie für einen leckeren Eiersalat oder einen Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen. Das gibt immerhin Kraft für die nächste Runde Eieraufwerfen. 😉

 

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