Warum Star Trek zum 60. Jubiläum perfekt auf ein Osterei passt – und was das mit unserer Zukunft zu tun hat

Star Trek auf dem Osterei: Eine Utopie auf Eierschalen

Ein Osterei muss nicht immer aussehen wie ein Osterei, denn es ist eine ungewöhnliche Leinwand

Es ist klein, dreidimensional, zerbrechlich – und meistens erwartet man darauf Blumen, Ornamente, Muster oder vielleicht einen Osterhasen. Aber warum eigentlich? Wenn eine Eierschale eine Leinwand sein kann, muss darauf schließlich nicht zwingend nur Österliches landen.

Man kann Lieder und Gedichte, ja sogar ganze Werke der Weltliteratur auf Eierschalen verewigen – zum Beispiel Goethes Osterspaziergang. Doch irgendwann stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Was könnte man eigentlich noch auf ein Ei bringen?

Die Antwort darf überraschend ausfallen: ein Raumschiff zum Beispiel. Oder eine ganze Zukunftsvision.

2026 feiert Star Trek sein 60-jähriges Jubiläum. Am 8. September 1966 wurde die erste Folge der Originalserie auf NBC ausgestrahlt. Was damals mit Captain Kirk, Spock, McCoy und der USS Enterprise begann, ist längst weit mehr als eine Science-Fiction-Serie. Über sechs Jahrzehnte hinweg hat Star Trek neue Welten, Spezies und Technologien erfunden – und dabei immer wieder über ziemlich alte Fragen nachgedacht:

Wie wollen Menschen miteinander leben? Was können wir voneinander lernen? Und was könnte aus der Menschheit werden, wenn sie sich weiterentwickelt?

Vielleicht ist das Osterei dafür sogar das passendere Bild, als es auf den ersten Blick scheint. Es steht für den Anfang, für das Werden und für die Möglichkeit, dass etwas Neues aus etwas scheinbar Unscheinbarem hervorgeht. Noch ist nicht zu sehen, was darin steckt. Genau darin liegt seine eigentliche Metapher:

Zukunft beginnt nicht erst, wenn sie Wirklichkeit geworden ist, sondern in dem Moment, in dem wir uns vorstellen können, dass sie anders aussehen könnte.

Hinter Warp-Antrieb, Transporter und Technobabble steckt deshalb eine Idee, die viel größer ist als die Technik: Zukunft entsteht zunächst als Vorstellung – bevor sie zu einer Möglichkeit und vielleicht irgendwann zur Wirklichkeit wird.

Für das Star-Trek-Jubiläum haben wir deshalb drei Motive als Osterei-Entwürfe gestaltet: eines mit der Enterprise, eines mit der Crew der Originalserie und eines mit der Crew von Star Trek: The Next Generation.

Diese drei Eier sind bisher Ideen – keine Fotos bereits fertig bemalter Ostereier. Wir haben die Motive zunächst mit KI ausprobiert, verschiedene Varianten durchgespielt und überlegt, wie ein ziemlich großes Star-Trek-Universum auf eine Eierschale passen kann. Ob und wann daraus tatsächlich bemalte Eier werden, wissen wir selbst noch nicht. Aber Ideen müssen ja nicht warten, bis jemand den Pinsel in die Hand nimmt.

Die eigentliche Utopie trägt keinen Raumanzug

Wer bei Star Trek an Zukunft denkt, denkt vermutlich zuerst an technische Errungenschaften: Warp-Antrieb, Replikatoren, Transporter, künstliche Intelligenz oder Holodecks. Doch die eigentliche Utopie trägt keinen Raumanzug. Sie zeigt sich darin, wie Menschen miteinander umgehen.

Eine Zukunft ohne rassistische Hierarchien

Roddenberry verband seine Zukunftsvision mit der Vorstellung, dass Diskriminierung, Hunger und soziale Not weitgehend überwunden sein könnten. Herkunft, Hautfarbe und Religion entscheiden nicht über die Würde oder die Chancen eines Menschen. Bildung ist kein Privileg, sondern ein gemeinsames Gut. Wissen, Kooperation und gegenseitiges Verständnis haben einen höheren Stellenwert als Angst, Besitz und Konkurrenz.

Jonathan Frakes, der in Star Trek: The Next Generation William Riker spielte und später zahlreiche Folgen inszenierte, erinnerte sich an ein Gespräch mit Gene Roddenberry. Roddenberry habe seine Vision der Zukunft mit einfachen, aber weitreichenden Sätzen beschrieben:

There would be no sexism. There would be no racism. There would be no hunger. There would be no greed. And all of the children would know how to read.

Es würde keinen Sexismus geben. Es würde keinen Rassismus geben. Es würde keinen Hunger geben. Es würde keine Gier geben. Und alle Kinder könnten lesen.

Diese Worte, so Frakes, seien ihm im Gedächtnis geblieben:

And that has stuck with me. And as we are going through this period of awareness around Black Lives Matter, it keeps popping into my head. It’s a wonderful memory, and I hope by sharing it with you it will help you believe that we can live a future like that.

Diese Worte sind mir im Gedächtnis geblieben. Während wir gerade diese Phase des Bewusstwerdens rund um Black Lives Matter durchleben, kommen sie mir immer wieder in den Sinn. Es ist eine wunderbare Erinnerung – und ich hoffe, dass sie, indem ich sie mit Ihnen teile, dazu beiträgt, dass Sie daran glauben können, dass wir eine solche Zukunft tatsächlich verwirklichen können.

Frakes’ Erinnerung macht den Kern von Roddenberrys Utopie sichtbar. Sie beschreibt keine Welt, in der Menschen durch Technik allmächtig geworden sind. Sie beschreibt eine Gesellschaft, in der grundlegende Formen von Unfreiheit und Not überwunden wurden: Diskriminierung, Hunger, Gier und fehlende Bildung.

Vor dem Hintergrund der Proteste und Debatten um Rassismus, Geschlechtergerechtigkeit und die Rechte queerer Menschen wirkt diese Vision weiterhin politisch und gesellschaftlich relevant. Die Bewegungen machen sichtbar, dass Gleichheit und gleichberechtigte Zugehörigkeit in der Gegenwart noch keineswegs selbstverständlich sind. Was Star Trek als Normalität zeigte, bleibt für viele Menschen bis heute eine gesellschaftliche Forderung.

Shatners Ergänzung

Die Originalserie machte diese Forderung nicht nur durch ihre Besetzung sichtbar, sondern auch durch ihre Geschichten. William Shatner, der Captain Kirk verkörperte, beschrieb am Beispiel der Folge „Let That Be Your Last Battlefield“, wie Star Trek Rassismus durch Übertreibung erkennbar machen konnte.

In der Folge hassen sich zwei äußerlich fast identische Wesen, weil ihre Gesichter auf jeweils einer Gesichtshälfte schwarz und auf der anderen weiß gefärbt sind. Shatner sagte dazu:

They hated each other. It was great prejudice. But looking at two guys, black and white, it seemed idiotic. And so it didn’t take any much of a stretch to say how idiotic racism is.

Sie hassten einander. Es war ein extremer Ausdruck von Vorurteilen. Wenn man diese beiden Wesen betrachtete – schwarz und weiß –, wirkte ihr Hass geradezu idiotisch. Es brauchte nicht viel, um zu erkennen, wie idiotisch Rassismus ist.

Shatners Beobachtung beschreibt einen zentralen Kunstgriff der Serie: Star Trek verlegt reale Konflikte auf fremde Planeten und in mögliche Gesellschaften der Zukunft, damit das Publikum sie aus einer gewissen Distanz betrachten kann. Man soll über Außerirdische nachdenken – und dabei die eigenen Vorurteile erkennen.

So wird die Zukunft zum Gedankenexperiment und damit zum Spiegel der Gegenwart: Was wir bei fremden Kulturen, anderen Spezies oder weit entfernten Gesellschaften erkennen, sagt am Ende oft mehr über uns selbst aus.

Roddenberrys Utopie ist deshalb nicht bloß ein freundliches Bild einer fernen Zukunft. Sie ist ein Maßstab, an dem sich die Gegenwart messen lassen muss. Star Trek behauptet nicht, dass Gleichberechtigung bereits verwirklicht sei. Die Serie stellt sie als Möglichkeit dar – und damit als Aufgabe.

Eine Vision, die noch nicht erfüllt ist

Vor dem Hintergrund von Black Lives Matter, der #MeToo-Bewegung und den politischen Auseinandersetzungen um LGBTQ-Rechte machen die Proteste und Debatten sichtbar, dass Gleichheit und gleichberechtigte Zugehörigkeit in der Realität keineswegs selbstverständlich sind. Was Star Trek als Normalität zeigte, bleibt für viele Menschen bis heute eine gesellschaftliche Forderung.

Die Brücke der Enterprise zeigt beispielsweise eine Gesellschaft, in der Schwarze Menschen nicht erst beweisen müssen, dass sie dazugehören. Sie sind bereits Teil der gemeinsamen Zukunft – als Wissenschaftlerinnen, Offiziere, Entscheidungsträger und Mitglieder einer Gemeinschaft.

Auch der Kuss zwischen Kirk und Uhura erhielt vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung. Die Szene wurde zu einem der bekanntesten und kulturell folgenreichsten interrassischen Küsse der US-Fernsehgeschichte. Die Szene wurde 1968 ausgestrahlt, nur ein Jahr nach dem Urteil Loving v. Virginia, mit dem der US Supreme Court Gesetze gegen Ehen zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe für verfassungswidrig erklärte. Auch William Shatner setzte sich dafür ein, dass diese Szene nicht entschärft wurde.

Und dann ist da Nyota Uhura.

Nichelle Nichols wollte Star Trek nach der ersten Staffel zunächst verlassen. Sie war vor allem aus dem Theater gekommen und hatte eine Broadway-Rolle in Aussicht. Dann traf sie Martin Luther King Jr.

King erklärte ihr, warum ihre Rolle weit über eine Fernsehserie hinausging. Nichols erinnerte sich später, King habe ihr sinngemäß gesagt:

[…] You cannot abdicate your position. You are changing the minds of people across the world, because for the first time, through you, we see ourselves and what can be.

Du darfst deine Position nicht aufgeben. Du veränderst die Denkweise von Menschen auf der ganzen Welt, denn durch dich sehen wir zum ersten Mal uns selbst und erkennen, was möglich ist.

Uhura war keine dekorative Nebenfigur. Sie war eine Schwarze Frau in einer bedeutenden, nicht stereotypen Position – selbstverständlich Teil einer Zukunft, in der sie Wissen, Verantwortung und Kompetenz verkörperte.

Nichols blieb. Und Uhura wurde zu einem Vorbild für eine Generation. Whoopi Goldberg erzählte später von ihrem eigenen ersten Eindruck:

This is the first time we appear in the future. Not only do we appear in the future, but this is a gorgeous woman, and she’s the communications officer.

Das ist das erste Mal, dass wir in der Zukunft auftauchen. Wir tauchen nicht nur in der Zukunft auf, sondern es handelt sich auch noch um eine wunderschöne Frau, und sie ist die Kommunikationsbeauftragte.

Wie viele Mädchen sah sie in Uhura nicht nur eine Schauspielerin, sondern eine Möglichkeit für die eigene Zukunft. Goldberg wurde später selbst Teil von Star Trek – als Guinan in The Next Generation.

Noch konkreter wurde dieser Effekt bei Mae Jemison, der ersten Schwarzen Frau im Weltraum. Sie hat wiederholt erzählt, dass Nichelle Nichols und Uhura für ihre eigene Vorstellung von einer Zukunft im All eine wichtige Rolle spielten.

Das ist vielleicht eine der interessantesten Wirkungen von Star Trek:

Eine Figur muss nicht real sein, um reale Möglichkeiten zu eröffnen.

Ein Kind sieht Uhura auf der Brücke der Enterprise und denkt: Da könnte ich auch sein.

Aber es geht dabei nicht nur um einzelne Vorbilder. Science-Fiction kann Menschen zeigen, die in einer Welt leben, die es so noch nicht gibt – und damit Vorstellungen davon erweitern, wer wir sein können und welche Rolle wir in dieser Welt einnehmen könnten.

Sie beantwortet deshalb nicht nur die Frage, was technisch möglich sein könnte. Sie kann auch zeigen, was für Menschen wir werden könnten.

Eine Gesellschaft nach der Katastrophe

Die Föderation ist außerdem keine gewöhnliche politische Allianz. Sie steht am Ende einer langen und traumatischen Entwicklung. In verschiedenen Star-Trek-Serien und -Filmen wird die Vorgeschichte der Föderation mit globalen Konflikten, den Eugenischen Kriegen und einem Dritten Weltkrieg verbunden. Die genaue Chronologie und Gewichtung dieser Ereignisse unterscheidet sich jedoch je nach Darstellung.

Die genaue Abgrenzung hat sich im Verlauf der Seriengeschichte verändert; gemeinsam ist diesen Ereignissen jedoch die Erkenntnis, dass technischer Fortschritt ohne moralische Reife in die Selbstzerstörung führen kann.

Die Föderation entsteht somit nicht aus einer unbeschwerten Zukunft, sondern aus den Trümmern einer überwundenen Vergangenheit. Krieg, Nationalismus und die Vorstellung, Konkurrenz und Gewalt seien unvermeidbare Bestandteile des menschlichen Zusammenlebens, sollen hinter sich gelassen werden.

Die Zukunft beginnt bei Roddenberry daher nicht mit einer Maschine, sondern mit einer Entscheidung: Die Menschheit muss lernen, ihre alten Konfliktmuster nicht länger als Schicksal hinzunehmen.

Entwicklung statt Perfektion

Roddenberry formulierte seine eigene Vorstellung von Entwicklung 1991 im Gespräch mit der Zeitschrift The Humanist:

I think I try to continually perfect myself without any hope of reaching ultimate perfection. It is a marvellous journey.

Ich glaube, ich versuche, mich ständig zu verbessern, ohne jemals darauf zu hoffen, die absolute Perfektion zu erreichen. Es ist eine wunderbare Reise.

Die Utopie von Star Trek ist deshalb kein fertiges Paradies. Sie beschreibt eine Zivilisation, die gelernt hat, sich selbst zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Ein weiteres, häufig Roddenberry zugeschriebenes Zitat bringt diesen Gedanken auf den Punkt:

It is the struggle itself that is most important. We must strive to be more than we are. It does not matter that we will not reach our ultimate goal. The effort itself yields its own reward.

Das Streben selbst ist das Wichtigste. Wir müssen danach streben, mehr zu sein, als wir sind. Es kommt nicht darauf an, dass wir unser endgültiges Ziel erreichen. Schon die Anstrengung trägt ihren eigenen Wert in sich.

Gerade darin liegt die zeitlose Kraft von Star Trek: Die Zukunft wird nicht als Besitz präsentiert, sondern als Aufgabe.

Star Trek steht nicht nur für viele eindrucksvolle und unterhaltsame Geschichten, sondern auch für die Erkenntnis, dass eine Utopie ihren Wert nicht dadurch verliert, dass sie noch nicht vollständig Wirklichkeit geworden ist.

Eine Gesellschaft jenseits der Gier

In der Föderation dient Technik nicht in erster Linie dazu, noch mehr Besitz anzuhäufen. Replikatoren, nahezu unbegrenzte Energie und wissenschaftlicher Fortschritt sollen Menschen von materieller Not befreien.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr: Wie überlebe ich? Sondern: Wofür möchte ich leben?

Die Antwort findet Star Trek in Bildung, Forschung, Kunst, Freundschaft, Verantwortung und persönlicher Entwicklung. Wer nicht ständig um Nahrung, Sicherheit oder sozialen Aufstieg kämpfen muss, kann Zeit in Erkenntnis und Gemeinschaft investieren.

Das ist eine postmaterielle Vorstellung von Fortschritt. Technik ist nicht deshalb wertvoll, weil sie mächtig macht, sondern weil sie Menschen mehr Freiheit geben kann. Sie soll den Raum schaffen, in dem sich ein Mensch entfaltet, statt ihn durch Abhängigkeit, Besitzstreben und Angst zu begrenzen.

Damit verbindet sich allerdings eine moralische Verpflichtung. Wissenschaft bedeutet bei Star Trek nicht, alles Machbare bedenkenlos zu tun. Jede neue Fähigkeit wirft neue Fragen auf:

Was dürfen wir tun? Was sollten wir tun? Wer trägt die Verantwortung für die Folgen?

Ob es um künstliche Intelligenz, genetische Veränderung, Zeitreisen oder den Kontakt mit fremden Zivilisationen geht: Erkenntnis bleibt nie wertneutral. Je größer die technischen Möglichkeiten werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung.

Das Fremde muss nicht der Feind sein

Und damit kommen wir zur Enterprise. Sie steht für eine der ältesten menschlichen Eigenschaften überhaupt: Neugier.

Die berühmte Mission lautet schließlich nicht, das bereits Bekannte zu verwalten, sondern neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen zu entdecken und dorthin vorzudringen, wo noch niemand zuvor gewesen ist.

Das Entscheidende ist dabei nicht nur der Aufbruch ins Unbekannte. Es ist auch die Frage, wie man dem Unbekannten begegnet.

Das Fremde muss nicht automatisch böse sein. Nur weil etwas unbekannt oder anders ist, macht es das noch lange nicht zum Feind. Star Trek nutzt Begegnungen mit fremden Spezies immer wieder, um genau diese erste Reaktion infrage zu stellen. Was wissen wir tatsächlich über das, was uns fremd ist? Und wie viel von unserem Urteil entsteht aus Angst, Gewohnheit oder schlicht daraus, dass wir die Perspektive des anderen noch nicht verstehen?

Eine der schönsten Varianten dieses Gedankens ist die gefeierte The Next Generation-Folge „Darmok“. Captain Picard trifft auf die Tamaraner, deren Sprache der Universalübersetzer zwar Wort für Wort übertragen kann – der kulturelle Bedeutungszusammenhang bleibt zunächst jedoch unverständlich. Die Tamaraner sprechen in Bildern und Geschichten aus ihrer eigenen Mythologie. Erst als Picard erkennt, dass hinter diesen Worten gemeinsame Erzählungen und Erfahrungen stehen, wird Verständigung möglich.

Das ist mehr als eine Einladung zur Toleranz. Es ist eine Aufforderung zur Neugier. Wer dem Unbekannten begegnet, muss bereit sein, die eigenen Maßstäbe zumindest vorübergehend zurückzustellen und herauszufinden, wie die andere Seite die Welt betrachtet. Nicht jede fremde Kultur ist deshalb automatisch gut, und nicht jede Begegnung endet friedlich. Aber die bloße Andersartigkeit ist noch kein Grund für Feindschaft.

Vielleicht ist das die schönste Seite des Unbekannten: Es zwingt uns, über das hinauszudenken, was wir bereits zu wissen glauben.

Die Enterprise auf unserem ersten Entwurf steht deshalb für mehr als ein Raumschiff. Sie steht für Aufbruch, Neugier und die Bereitschaft, den eigenen Horizont zu verlassen.

Dazu passt auch die Oberste Direktive. Sie verlangt, fremde Kulturen nicht einfach nach den eigenen Maßstäben zu beurteilen oder in ihre Entwicklung einzugreifen. Die Oberste Direktive beziehungsweise General Order No. 1 verpflichtet die Sternenflotte dazu, sich nicht in die natürliche Entwicklung anderer Zivilisationen einzumischen. Doch diese Regel ist keineswegs bequem. Was ist, wenn man eine Katastrophe verhindern könnte? Wann wird Nichteinmischung zur Gleichgültigkeit? Und wann wird Hilfe zur Bevormundung?

In diesen Konflikten zeigt sich eine weitere Stärke von Star Trek: Fortschritt wird nicht nur gefeiert, sondern kritisch geprüft. Gute Absichten reichen nicht immer aus. Auch wer helfen will, kann Macht ausüben und Schaden anrichten.

Logik ist erst der Anfang

Dazu passt ebenso Spocks berühmter Satz aus Star Trek VI: The Undiscovered Country:

Logic is the beginning of wisdom, not the end.

Logik ist der Anfang der Weisheit – nicht ihr Ende.

Spock verkörpert diese Spannung wie kaum eine andere Figur. Er analysiert, ordnet und argumentiert logisch. Gleichzeitig ist er als Halb-Vulkanier und Halb-Mensch ständig mit zwei Seiten seiner Identität konfrontiert.

Damit erzählt Star Trek auch etwas über Erkenntnis: Vernunft bedeutet nicht, alles Menschliche auszublenden. Sie kann vielmehr helfen, Gefühle, Vorurteile und Reaktionen überhaupt erst zu verstehen.

Wissenschaft ist bei Roddenberry deshalb kein Gegenentwurf zur Menschlichkeit. Sie soll den Menschen nicht ersetzen, sondern ihn befähigen, bewusster zu handeln. Ein kluger Mensch ist nicht automatisch ein weiser Mensch. Weisheit beginnt dort, wo Wissen mit Verantwortung verbunden wird.

Vielfalt ist kein Schmuck

Kirk, Spock und McCoy könnten unterschiedlicher kaum sein: Kirk entscheidet häufig intuitiv und risikofreudig. Spock analysiert. McCoy bringt Empathie, Skepsis und eine ausgesprochen menschliche Perspektive ein. Ihre Zusammenarbeit funktioniert nicht, weil sie gleich denken, sondern weil sie ihre Unterschiede produktiv machen.

Für Gene Roddenberry war Vielfalt nicht bloß etwas, das man eben aushalten muss. Sie war ein Zeichen gesellschaftlicher Reife.

Star Trek was an attempt to say humanity will reach maturity and wisdom on the day that it begins not just to tolerate but take a special delight in differences in ideas and differences in lifeforms.

Star Trek war ein Versuch, zum Ausdruck zu bringen, dass die Menschheit an dem Tag Reife und Weisheit erlangen wird, an dem sie beginnt, Unterschiede in den Ansichten und Lebensformen nicht nur zu tolerieren, sondern sich gerade daran besonders zu erfreuen.

Das ist ein bemerkenswert hoher Anspruch: Nicht Toleranz als Endpunkt, sondern Freude an der Verschiedenheit.

Roddenberry formulierte es noch grundsätzlicher:

It’s impossible to fear diversity and to enter the future at the same time.

Man kann nicht gleichzeitig Angst vor Vielfalt haben und in die Zukunft blicken.

Eine Zukunft, in der alle gleich denken, gleich aussehen und dieselben Erfahrungen gemacht haben, wäre keine wirklich offene Zukunft. Sie wäre nur eine neue Form von Gleichförmigkeit.

Roddenberry sagte außerdem:

If we cannot learn to actually enjoy those small differences, to take a positive delight in those small differences between our own kind, here on this planet, then we do not deserve to go out into space and meet the diversity that is almost certainly out there.

Wenn wir nicht lernen können, diese kleinen Unterschiede zwischen uns Menschen hier auf diesem Planeten tatsächlich zu genießen, dann verdienen wir es nicht, ins All vorzudringen und die Vielfalt zu entdecken, die dort mit ziemlicher Sicherheit auf uns wartet.

Das „Andere“ beginnt demnach nicht erst auf einem fernen Planeten. Es beginnt hier: bei den Menschen, die anders denken, anders aussehen, anders leben oder andere Erfahrungen gemacht haben.

George Takei, der Hikaru Sulu spielte, erinnerte sich später daran, wie Roddenberry die Enterprise verstanden habe:

[Gene] said the starship Enterprise is a metaphor for starship Earth. And the strength of this starship is in its diversity, coming together and working in concert as a team.

Gene sagte, das Raumschiff Enterprise sei eine Metapher für das Raumschiff Erde. Die Stärke dieses Raumschiffs liege in seiner Vielfalt – darin, dass alle zusammenkommen und als Team zusammenarbeiten.

Die Enterprise ist damit nicht nur ein Raumschiff. Sie ist ein Gesellschaftsmodell.

Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten mit einem Vulkanier zusammen. Später kommen Klingonen, Androiden, Betazoiden und unzählige weitere Spezies hinzu. Niemand muss dafür aufhören, der zu sein, der er ist. Zusammenarbeit bedeutet nicht Gleichmacherei.

Leonard Nimoy hat einen verwandten Gedanken in einen einzigen Satz gepackt:

The miracle is this: the more we share, the more we have.

Das Wunder ist: Je mehr wir teilen, desto mehr haben wir.

Das gilt für Wissen genauso wie für Erfahrungen und Perspektiven. Vielfalt ist kein dekoratives Element einer futuristischen Crew. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass eine Gemeinschaft mehr sehen, mehr verstehen und mehr werden kann als die Summe ihrer einzelnen Mitglieder.

Zwischen Humanismus und Spiritualität

Roddenberrys Denken war weitgehend säkular und religionskritisch. Er misstraute religiösen Institutionen, wenn sie absolute Wahrheiten und blinden Gehorsam verlangten. In vielen Star-Trek-Geschichten werden Götter und Götzen deshalb nicht als allmächtige Wesen bestätigt, sondern als mächtige, aber begrenzte Entitäten entlarvt.

Gleichzeitig lässt sich Roddenberry nicht vollständig auf einen trockenen Atheismus reduzieren. Sein Denken hatte auch eine kosmische, beinahe spirituelle Seite. Das Universum erschien ihm als ein Zusammenhang, in dem Leben, Erkenntnis und Entwicklung miteinander verbunden sind.

Die Föderation ist daher vor allem eine säkulare Gesellschaft: Sie gründet ihre Ordnung nicht auf eine gemeinsame Religion, sondern auf Vernunft, Erfahrung, Menschenwürde und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Das ist philosophisch bedeutsam. Eine gemeinsame Ethik muss nicht zwingend aus einem gemeinsamen Glauben entstehen. Sie kann auch aus dem Wissen hervorgehen, dass alle Lebewesen verletzlich sind und dass Zusammenleben ohne gegenseitige Anerkennung nicht dauerhaft funktionieren kann.

Wenn Fiktion Wirklichkeit verändert

Die Wirkung von Star Trek endet nicht dort, wo der Abspann läuft.

Manche Zukunftsvisionen bleiben Fiktion. Andere wandern irgendwann aus dem Fernsehen ins wirkliche Leben – manchmal nicht als technische Erfindung, sondern als Vorstellung davon, wer man selbst sein könnte.

DeForest Kelley, der Dr. Leonard „Bones“ McCoy spielte, wollte als junger Mann tatsächlich Arzt werden. Die finanziellen Verhältnisse seiner Familie ließen ein Medizinstudium damals jedoch nicht zu. Kelley brachte seine eigene Geschichte wie folgt auf den Punkt:

I’d wanted to become a doctor and couldn’t – yet became the best-known doctor in the galaxy.

Ich wollte eigentlich Arzt werden, konnte es aber nicht – und wurde dennoch zum bekanntesten Arzt der Galaxis.

Und McCoy blieb nicht nur eine fiktive Figur. Fans erzählten Kelley immer wieder, dass sie seinetwegen Medizin studiert hatten. Die Star-Trek-Autoren Bjo und John Trimble berichten, dass es für Kelley und Roddenberry eine besondere Genugtuung war, dass Star Trek junge Menschen zu medizinischen Berufen inspirierte.

James Doohan erlebte etwas Ähnliches mit seiner Figur Montgomery „Scotty“ Scott. Der Chefingenieur der Enterprise war nicht einfach der Mann, der im Maschinenraum Dinge reparierte. Er war ein Ingenieur, der wusste, wie Technik funktioniert – und der dieses Wissen selbstbewusst einsetzte. Doohan erzählte 1992 der Washington Post, dass bei ihm „nicht eine Woche“ vergehe, in der ihm nicht jemand erzähle, er oder sie sei wegen Scotty Ingenieur geworden.

Auch die Verbindung zur NASA ist bemerkenswert. Doohan besuchte bereits 1967 das NASA Flight Research Center und blieb der Raumfahrtbehörde über Jahrzehnte verbunden. Bei seiner Abschiedsveranstaltung 2004 bezeichnete ihn ausgerechnet Neil Armstrong als „one old engineer to another“.

Die Beispiele zeigen etwas, das über einzelne Berufswege hinausgeht: Eine fiktionale Figur kann eine reale Möglichkeit sichtbar machen.

Ein Kind sieht Uhura auf der Brücke der Enterprise und denkt: Da könnte ich auch sein.

Ein anderer sieht Scotty im Maschinenraum und denkt: Ingenieur könnte ich werden.

Jemand sieht McCoy und entdeckt seine Begeisterung für Medizin.

Science-Fiction beantwortet deshalb nicht nur die Frage, was technisch möglich sein könnte. Sie erweitert auch unsere Vorstellung davon, wer wir sein können.

Eine Utopie mit Widersprüchen

So überzeugend Roddenberrys Zukunftsidee ist: Star Trek erfüllt die eigenen Ansprüche nicht immer vollständig.

Die Serien erzählen von einer Welt jenseits von Rassismus, Ausbeutung und Herrschaft, greifen in einzelnen Geschichten jedoch selbst auf koloniale, hierarchische oder stereotype Muster zurück. Menschen bleiben häufig das Maß, an dem andere Spezies bewertet werden. Die Sternenflotte ist zugleich Forschungsorganisation, diplomatischer Akteur und militärische Macht. Und auch die Darstellung von Geschlecht, Sexualität und sozialer Zugehörigkeit war nicht immer so fortschrittlich, wie der große Entwurf vermuten lässt.

Das macht die Utopie jedoch nicht wertlos. Im Gegenteil: Gerade die Spannung zwischen Anspruch und Umsetzung ist aufschlussreich.

Eine Utopie muss nicht perfekt verwirklicht sein, um als Maßstab zu dienen. Sie muss sich aber immer wieder an ihren eigenen Versprechen messen lassen.

Selbst Jahrzehnte später sind die Ideen Roddenberrys noch immer relevant. Patrick Stewart, der Darsteller von Jean-Luc Picard aus Star Trek: The Next Generation sagte 2020 dem Esquire:

I firmly believe that the world Gene Roddenberry created is a world that we can still aspire to.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt, die Gene Roddenberry erschaffen hat, eine Welt ist, nach der wir immer noch streben können.

Vielleicht liegt darin sogar eine weitere Stärke von Star Trek: Die Serie lädt nicht nur dazu ein, ihre Zukunft zu bewundern. Sie fordert uns auf, zu prüfen, ob wir selbst wirklich so offen, vernünftig und menschlich handeln, wie wir es von der Föderation erwarten.

Auf den Schultern von Riesen

Wir alle beginnen nicht bei null.

Die bekannte Metapher von den „Schultern von Riesen“ wird häufig mit Isaac Newton verbunden. In einem Brief an Robert Hooke von 1675/76 schrieb er, wenn er weiter gesehen habe, dann deshalb, weil er auf den Schultern von Riesen gestanden habe.

Der Gedanke ist allerdings deutlich älter. Bereits im 12. Jahrhundert wird er mit Bernhard von Chartres verbunden. Johannes von Salisbury überliefert in seinem Metalogicon von 1159 den Vergleich: Wir seien wie Zwerge auf den Schultern von Riesen und könnten deshalb weiter sehen – nicht, weil wir selbst größer oder klüger seien, sondern weil wir auf dem aufbauen, was andere vor uns geschaffen haben.

Genau das beschreibt auch die Entwicklung von Star Trek. Die nächste Generation steht auf den Schultern der vorherigen: Aus Kirk, Spock und McCoy werden Picard, Riker, Data, Worf, La Forge, Troi und Crusher. Neue Figuren, neue Spezies, neue Konflikte und neue Fragen kommen hinzu – und doch bleibt eine Idee erhalten: Erkenntnis entsteht nicht im luftleeren Raum.

Wissen ist ein Staffelstab. Man übernimmt ihn, trägt ihn ein Stück weiter und gibt ihn wieder ab.

In „Darmok“ wird daraus sogar eine Begegnung über Jahrtausende und Speziesgrenzen hinweg. Picard erzählt dem Tamarianer die Geschichte von Gilgamesch und Enkidu – einen Mythos, der lange vor seiner eigenen Zeit entstanden ist. Eine uralte menschliche Erzählung wird so zum Ausgangspunkt für eine Verständigung zwischen zwei Kulturen.

Und genau darin liegt die Pointe: Picard muss nicht alles selbst wissen. Er kann auf Geschichten zurückgreifen, die andere vor ihm bewahrt und weitergegeben haben. Was einst als Erzählung begann, wird zum Werkzeug der nächsten Generation.

Vielleicht ist das eine der schönsten Ideen von Star Trek: Fortschritt bedeutet nicht, das Vergangene hinter sich zu lassen. Er bedeutet, darauf aufzubauen – und etwas weiterzugeben, auf dem andere eines Tages selbst weitersehen können.

Vom Homo Somnians zum Homo Humanus

Hier beginnt die Verbindung zu einer Idee, die über Star Trek hinausgeht.

Der Homo somnians ist der Mensch, der sich eine andere Welt vorstellen kann. Der Mensch, der fragt:

Warum muss es eigentlich so sein? Könnte es auch anders gehen?

Doch Vorstellungskraft allein reicht nicht. Aus dem Homo somnians kann der Homo humanus werden: ein Mensch, der seine Vorstellungskraft mit Erkenntnis, Verantwortung und Mitgefühl verbindet.

Genau darin treffen sich die großen Themen von Star Trek: Neugier, Wissen, Vielfalt, Entwicklung und die Verantwortung, etwas mit dem zu machen, was man gelernt hat.

Roddenberry selbst fasste die hoffnungsvolle Grundidee von Star Trek 1988 zusammen:

Star Trek speaks to some basic human needs: that there is a tomorrow – it’s not all going to be over with a big flash and a bomb; that the human race is improving; that we have things to be proud of as humans.

Star Trek spricht einige grundlegende menschliche Bedürfnisse an: Es gibt ein Morgen – nicht alles wird mit einem großen Blitz und einer Bombe vorbei sein. Die Menschheit entwickelt sich weiter, und es gibt Dinge, auf die wir als Menschen stolz sein können.

Dieser Satz führt zurück zum Osterei.

Auch ein Ei ist zunächst ein Versprechen. Es zeigt noch nicht, was aus ihm hervorgehen kann. Es bewahrt eine Möglichkeit in einer fragilen Schale.

Drei Perspektiven auf dieselbe Zukunft

Die drei Ostereier-Entwürfe erzählen diese Gedanken auf unterschiedliche Weise:

  • Die Enterprise steht für Neugier und den Mut, dem Unbekannten entgegenzugehen.
  • Die Crew der Originalserie steht für Vielfalt und Zusammenarbeit – für eine Gemeinschaft, in der unterschiedliche Perspektiven nicht beseitigt werden müssen, um gemeinsam handeln zu können.
  • Die Crew von The Next Generation führt diese Fragen weiter: Was bedeutet Verantwortung? Wann darf man eingreifen? Wie geht man mit dem Fremden um? Und was macht eigentlich einen Menschen aus?

Damit erzählen die drei Motive zugleich ein kleines Stück der Geschichte von Star Trek: von der ersten Mission der Enterprise über die Originalcrew bis zu einer neuen Generation, die auf den Erfahrungen der vorherigen aufbaut und die Fragen weiterträgt.

Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Verbindung zum Osterei.

Eine Eierschale ist klein. Eine Idee kann trotzdem groß sein.

Und manchmal reicht eine kleine Leinwand, um sich eine ziemlich große Zukunft vorzustellen.

Drei Eier. Drei Perspektiven. Sechs Jahrzehnte Star Trek.

To boldly go where no Easter egg has gone before.

 

Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

 

 

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